Im Dickicht zusammengesetzter Verben

Gunhild Simon

Gunhild Simon

Viele Verben kommen nicht ohne Vorsilbe aus. Sei es, dass sie dadurch präziser, konkreter, spezieller oder gar metaphorisch werden. Unterscheiden kann man zwischen den echten Präfixen, also solchen, die allein kein eigentliches Wort ergeben (be-, er-, ge-, ver-, zer-, ent-), und jenen, die für sich genommen bereits eine selbständige Präposition sind (ab-, ein-, aus-, an-, auf-, zwischen-, mit-, vor-, nach-, entgegen-, voran-, voraus…).

Neue Qualität zeigt sich erst, wenn sie ihre infinite Form verlassen. Da nämlich scheiden sie sich buchstäblich. Die unechten Präfixe gilt es abzutrennen.

abtrennen – trennt ab

einkaufen – kauft ein

ausatmen- atmet aus

fortfahren – fährt fort

voranstellen – stellt voran

einklammern- klammert ein

Das hat syntaktische Folgen. Denn das Prädikat klammert mit seinen beiden Teilen sämtliche weiteren Aussagen ein:

Sie kommt am Hauptbahnhof um Mitternacht mit dem Schnellzug an.

Es gibt solche, die kommen scheinbar gleich daher. Erst durch ihre Betonung erhalten sie
unterschiedliche Bedeutung – und das drückt sich dann syntaktisch aus! Diese janusköpfigen können
mit über-, unter-,
durch-
, um-, wieder-, hinter- beginnen:

Es ist ein Unterschied, ob ich mit Problemen umgehen muss,
oder ob ich sie umgehen muss! Ob ich ein Stoppschild
überfahre oder überfahre.

Grundsätzlich gilt die Trennungsregel für zusammengesetzte Verben, sobald die jeweils vorangestellte
Partikel betont ist:

umgehen- umgehen

umstellen- umstellen

übergehen– übergehen

untergehen- unterlaufen

durchfahren-durchfahren

durchgehen- durchlaufen

untergraben- untergraben

überziehen- überziehen

übersetzen- übersetzen

Natürlich gibt es wieder die Ausnahme, die alle Regeln zunichte zu machen scheint:

bevorstehen – steht bevor – bevorgestanden

bevormunden – bevormundet – bevormundet

Lassen Sie sich nicht foppen!

Im ersten Fall ist die Präposition bevor im Einsatz. Im zweiten hat das Verb, das sich
von Vormund ableitet, ein echtes Präfix, nämlich be- erhalten. Mit diesem
Trick lassen sich nämlich ganz einfach transitive Verben konstruieren.
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Deklination und Konjugation als grammatische Grundbegriffe

Was heißt das eigentlich: deklinieren und konjugieren? Wir nennen es leichthin übersetzt: beugen. Vielleicht haben auch Sie sich gefragt, was das zu bedeuten hat – gebeugt unter dem Joch? Man widmet sich dem Vorgang, ohne sich Rechenschaft abzugeben.

1. Deklination:
Ein Substantiv beugen, deklinieren, meint, es durch seine Fälle / Kasus führen. Der jeweilige Fall ist nicht zufällig, sondern unterliegt einem Regenten! Dieser kann ein Verb (Tuwort)
sein oder eine Präposition (Verhältniswort: eine Voransetzung, die eine Relation ausdrückt). Manchmal nehmen wir es überdeutlich wahr: Da verlangt ein Verb – oder eine Präposition – offensichtlich zwingend einen bestimmten Fall, sonst klingt alles falsch! Das nennt man regieren.

So regiert etwa helfen den Dativ (dare = geben), unterstützen dagegen den Akkusativ (accusare = anklagen), sich annehmen den Genitiv (genus = Herkunft), während das Subjekt, also die handelnde Person, im Nominativ (nomen = Name) steht. Nur das Verb sein als Vollverb kann den Nominativ regieren: so entsteht das Prädikatsnomen: z.B. er ist Lehrer. (jemandem helfen – jemanden unterstützen – sich jemandes annehmen – jemandem etwas geben – jemanden anklagen – jemandes bedürfen – jemand sein)

Und wie steht es um die Präpositionen? Z.B. verlangt entgegen den Dativ, für den Akkusativ, wegen den
Genitiv (entgegen seinen Leistungen, für seine Leistungen, wegen seiner Leistungen).

2. Konjugation
Ein Verb beugen, konjugieren, heißt durch die Personen – sodann durch Tempora / Zeiten, Modi / Aussagearten (Indikativ / Konjunktiv) und das Genus Verbi (Aktiv / Passiv)
führen. Mit der Personalendung erhält
das Verb seine finite (kontext-endgültige) Form.

Konjugiert geht ein Verb Verbindungen in verschiedenen syntaktischen Zusammenhängen ein:
personale, zeitliche, modale und Satzgefüge bewirkende.
Ein konjugiertes Verb kann für
sich stehen, mit einem Subjekt einen vollständigen
Satz ergeben: das ist ein Vollverb, z.B. arbeiten,
spielen….. Er arbeitet. Das Kind spielt.

Andere verlangen, um einen Sinn
herzustellen, unbedingt ein Objekt (- man versucht
es gelegentlich mit dem anschaulichen Begriff Mitspieler zu umschreiben
-):
Jemandem
vertrauen, jemandem sich / etwas
anvertrauen, auf jemanden vertrauen. Ich vertraue dir. Ich vertraue mich / etwas  dir

an
. Ich vertraue auf dich.

Und nun noch ein Bonbon für Sprachfüchse: trauen
Sich trauen oder jemandem trauen?
Sich trauen (das ist reflexiv also notwendigerweise mit Akkusativ). Es bedeutet den Mut haben,
z.B. etwas zu tun:
Ich traue mich … zu widersprechen, … in die Achterbahn, …
Sich / jemandem trauen (mit Dativ), ich traue mir oder jemandem, d. h.
Zutrauen zu sich / zu jemandem zu haben.

Trauen im Sinne von verheiraten – das
kann nur eine dafür bestimmte Person, etwa der Pastor oder der Standesbeamte.
Die Brautleute hingegen müssen schon das Passiv hinnehmen, wenn sie
sich trauen lassengetraut werden!


Vertrauen, Zutrauen und Zuversicht ist aber allemal im Spiel!


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Umlaute – eine typisch deutsche Marotte?

Umlaute sind Lautverschiebungen. Wir spüren der Regelhaftigkeit dieses Vorgangs nach. Umgelautet werden im Deutschen Substantive, Adjektive und Verben in ihren gebeugten, das heißt dem Satz angepassten Formen.

Einladung zu einem Exkurs: Werfen wir einen Blick auf unseren zukünftigen EU-Partner; auch das Türkische ist durch eine Vielzahl von Umlauten klanglich gekennzeichnet. Ein türkisches Wort enthält entweder dunkle oder helle Vokale. Dieses unverzichtbare Prinzip heißt Vokalharmonie. So kommt zustande, dass jedes konjugierte Verb sogleich mit der vokalisch passenden Personalendung und gegebenenfalls dem integrierten Fragepartikel zu versehen ist. Folgende Vokalgruppen bilden eine Harmonie: e, i, ö, ü und a, I – ein i, dem der I-Punkt zwingend fehlt, es wird gesprochen wie das e in Mangel, so verliert es seine Helligkeit – o, u.

Umlaute, das sind die Lautübertragungen von -a zu -ä, von -o zu -ö, von -u zu -ü und von -au zu -äu. Einer Regelhaftigkeit dieses Vorgangs nachzuspüren, wollen wir uns anschicken. Umgelautet werden im Deutschen Substantive (Namenwörter), Adjektive (Eigenschaftswörter), Verben (Tuwörter) in ihren gebeugten, das heißt dem Satz angepassten Formen. Diese drei Wortgruppen sind inhaltlicher Träger eines Satzes. Lautverschiebungen finden sich also bei inhaltlich tragenden Wortgruppen. Daraus ergeben sich erhebliche grammatische und orthographische Wirkungen. Daneben gibt es einige Wörter, die einen Umlaut enthalten, deren Herleitung sich nicht unmittelbar erschließt, zum Beispiel für oder über. Diese sind nicht Ergebnis einer Lautverschiebung, ihr Umlaut ist originär.

Bei Substantiven geht die Lautverschiebungen in aller Alltäglichkeit vonstatten, nämlich bei Diminuitiva (Verkleinerungen) Baum – Bäumchen, bei Pluralbildungen Baum – Bäume, bei Ableitungen Baum – sich aufbäumen. Das Tückische daran ist, dass es offenbar keine Regeln gibt, denen die Lautverschiebung hier gehorcht. Die Beispiele machen es deutlich.

Beispiele für Umlautung bei Personen
Vater – Väter – Väterchen/lein – väterlich

Mutter – Mütter – Mütterchen/lein – mütterlich – bemuttern – Muttchen – Muttern

Bruder – Brüder – Brüderchen/lein – brüderlich – verbrüdern

Onkel – Onkel – Onkelchen – onkelhaft

Tante -Tanten – Tantchen – tantenhaft – tantig

Bauer – Bauern – Bäuerlein – bauen – bäuerlich

Beispiele für Umlautung bei Tieren
Wolf – Wölfe – Wölfchen – Wölfin – wölfisch

Fuchs – Füchse – Füchslein – Füchsin – ausgefuchst – fuchsig

Maus – Mäuse – Mäuschen – Mäuslein – mausen

Hund – Hunde – Hündchen – Hündin – hündisch

Kinder bilden folgerichtig beim Erstspracherwerb Hund – Hünde. Es bedarf einer gewissen Überredungskunst, um Sprachrichtigkeit durchzusetzen. Technische Begriffe hingegen haben oft zur Abgrenzung eigene Pluralformen, die also ohne Umlaut gebildet werden, Bank – Banken, Bund – Bunde, Mutter – Muttern. Daran erkennt man, wie beliebig Umlaute funktionieren.
Obgleich es der Begriff Umlaut nahezulegen scheint: Es gibt auch Wörter, deren lautliche Herkunft im Dunkel bleibt: Säbel, Mönch (wohl „monasterium“), Glück, Tücke, Müller, Mühle, wühlen seien genannt.
Adjektive (Wiewörter) können umgelautet werden, wenn sie gesteigert werden:
hart – härter – am härtesten,
groß – größer – am größten
Aber es gibt kein verlässliches Muster:
zart – zarter – am zartesten
lose – loser – am losesten
hohl – hohler – am hohlsten
rund – runder -am rundesten
hoch – höher – am höchsten
gut -besser – am besten
Auch hier ist die Logik kindlichen Sprachlernens anzuführen. Sie bilden folgerichtig: hoch – höcher, gut – güter – am gütesten.
Die Adjektive beeinflussen wiederum Ableitungen.
hart: die Härte, verhärten, Verhärtung
zart: Zartheit, zärtlich, verzärteln
groß: Größe, vergrößern
lose: Lösung, lösen
hohl: Höhle, aushöhlen, Höhlung, Hohlheit
rund: Rundung – Runde – umrunden – rundlich (Hier gibt es keine Umlautungen.)
hoch: Höhe, erhöhen
gut: Güte, vergüten
Verben (Tuwörter) werden in ihren unregelmäßigen Erscheinungen umgelautet. Das kann im Präsens (Gegenwart) der Fall sein
laufen -> läuft
oder im Konjunktiv II
lief -> liefe
lesen – las -> läse
Der Konjunktiv II ist die Form, die abhängig von der unregelmäßigen Präteritum- (Imperfekt/Vergangenheit) Form umgelautet wird. Entscheidend ist also der Vokal des Präteritums. Also heißt es folgerichtig auch brauchte im Konjunktiv II.
Beispiele, die den Prozess a -> ä, o -> ö, u -> ü, au -> äu verdeutlichen
lügen – log -> löge

trügen – trog -> tröge

biegen – bog -> böge

sehe – sieht – sah -> sähe

lesen – liest – las -> läse

sprechen – sprach -> spräche

geben – gab -> gäbe

schelten – schilt – schalt -> schälte

kommen – kam -> käme

fliegen – flog -> flöge

saufen – säuft – soff -> söffe

schwimmen – schwamm/schwomm -> schwämme/schwömme

tun – tat -> täte

haben – hatte -> hätte

schaffen – schuf -> schüfe

Nicht der Laut des Infinitivs (Grundform) erzwingt die Lautverschiebung, sondern der des Präteritums.
rufen – ruft – rief -> riefe
mögen – mag – mochte -> möchte
Das letzte Beispiel zeigt: Der Infinitiv / Grundform heißt mögen. Möchten ist kein Verb! In dem Satz ich möchte ein Brot ist also bereits ein Konjunktiv als Ausdruck von Höflichkeit enthalten – wie etwa auch hier: Ich hätte gern ein Brot.
brauchen zählt nicht zu den unregelmäßigen Verben. Deshalb bedarf es keiner Lautverschiebung:
brauchen – brauchte – gebraucht, also auch brauchte im Konjunktiv II.

Wer bräuchte sagt, tut nicht nur zuviel des Guten, sondern liegt falsch. Wer sagte schon räuchte, säuste, schäute, verträute? Die Lautverschiebung im Konjunktiv II gehorcht also einem exakten Vokalmuster, vorgegeben durch das Präteritum.
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https://web.archive.org/web/20090210051107/
http://www.institut1.de/601_Umlaute_eine_typisch_deutsche_Marotte.html

Zur Verwendung des Doppelkonsonanten „ss“ oder des „ß“ nach der Reform der Rechtschreibung

Der Grundgedanke der Rechtschreibreform in Bezug auf s/ss/ß ist, dass das Doppel-s genauso zu behandeln sei, wie jede andere Konsonanten-Verdoppelung nach einem kurzen (oder offenen) Vokal.

Als Beispiele seien angeführt: Sinn – sinnen, Sepp – Seppel, Lamm – Lämmer, schlaff – erschlaffen. Auf diesem Wege kam auch das Stoppschild zu seinem Doppel-p. Der Tipp durfte auch nicht leer ausgehen. Nur warum wurde das Set vergessen? Gibt es nicht längst das Verb setten?

Ob einem kurzen/offenen Vokal allerdings ein Doppelkonsonant folgt, erkennt man erst an der Verlängerung eines Wortes. So fallen etwa herum, an, zum, das oder weg nicht unter diese Regel, weil sie keine entsprechende Verlängerung aufweisen können.

Entscheidend ist demzufolge gleichermaßen, dass dem kurzen Vokal nur ein Konsonant folgt. So werden etwa Vokale, denen zwei Konsonanten aufeinanderfolgen, in der Regel automatisch kurz gesprochen: bald, rund, schuld, folgt oder Abt. Jedoch kann das R auch eine Dehnungsfunktion ausüben, so nach a und e. Z.B.: karg, darben, Pferd; jedoch nicht nach i, o, u: z.B. Wirt, Furt, Mord.

Umgekehrt werden Vokale lang gesprochen, sobald dem nachfolgenden Konsonanten wiederum ein Vokal folgt: schade, schlafen, Bote, Ufer. Folgt man nun diesem Grundgedanken, wird klar: es muss Fass – Fässer heißen, jedoch fast; also auch Kuss – Küsse.

Wird allerdings ein Vokal vor einem scharfen s (es heißt stimmloses s, weil die Stimme unbeteiligt bleibt) lang/geschlossen gesprochen, und diese Aussprache auch in der Verlängerung erhalten bleibt – wie etwa bei Gruß – Grüße, so schreibt man ß bereits im Wortausgang (das ist ja das schwierigste!). Den Unterschied hört man also bei Guss – Güsse, Gruß – Grüße, Mus – Muse, müßig – Muße, Muse – Musen, müssen – muss und allemal Museum.

Diphthonge, also Doppelvokale, sind per se nur lang zu sprechen, sie müssen also, sobald auch in der Verlängerung der scharfgesprochene Charakter des s-Lauts deutlich wird, ein ß nach sich ziehen: Geiß – Geißen, Greis – Greise, er verließ – verließe er, Verlies – Verliese, Schmaus – schmausen, jedoch aus – außen, außer. Eigentlich müsste es auß heißen oder vielleicht auser Haus? Aber wer will schon Sprache reglementieren?
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das oder dass? Eine grammatische Betrachtung zum besseren und differenzierten Verständnis der Rechtschreibung

Die Rechtschreibreform hat nicht in die grammatische Besonderheit der Unterscheidung zwischen das und dass eingegriffen. Die reformierte Schreibung von dass hat lediglich lautliche Gründe, denn in allen Fällen, wo auf einen kurzen Vokal[1] folgend das Silbenende mit einem scharfen s, welches ß geschrieben wurde, ausgelautet war, ist jetzt ss zu schreiben.

Diese Neuregelung ist aus der Einsicht erwachsen, ein Wort, das auch in seiner Verlängerung ein Doppel-s enthält, werde auf diese Weise verständlicher und folglich schreibfreundlicher. So erschien es nur logisch, konsequent und ästhetisch, bei der Schreibung von dass analog zu verfahren.

Denn der Vorteil der Reform liegt hier eindeutig fest: Folgt ein ß, wird der vorausgehende Vokal lang gesprochen. Der Umkehrschluss war also: Geht ein kurzer Vokal voraus – wie im vorliegenden Fall, so folgt ein Doppel-s. Diese lautliche Regel war also maßgeblich für die veränderte Orthographie.

Auch versierte Schreiber zeigen Unsicherheiten im Umgang mit der Differenzierung von das und dass. Es liegt daran, dass diese Wörter neben einer orthographischen eine grammatische Bedeutung haben. Genau genommen handelt es sich um fünf verschiedene grammatische Bedeutungen, die es zu unterscheiden gilt, um es richtig zu verwenden und zu schreiben. Es stellt sich die Frage: Liegt ein bestimmter Artikel[2], ein Demonstrativpronomen[3], ein Relativpronomen[4], eine Junktion[5] oder die Einleitung eines Wunschsatzes vor?

1. das als bestimmter Artikel
Im Deutschen geht dem Substantiv in der Regel ein Artikelwort voraus. Als Artikel tritt das sowohl im Neutrum[6] Nominativ[7] Singular[8] (wer oder was?) als auch im Akkusativ[9] Singular (wen oder was?) auf.
Beispiele
das Mädchen, das Kind, das Boot

Beispiele im vollständigen Satz
Das Mädchen liebt den Jüngling. (Nominativ)

Der Jüngling liebt das Mädchen. (Akkusativ)

2. das als Demonstrativpronomen
Demonstrativpronomen weisen auf etwas hin, sei es ein Gegenstand, eine Person, also ein Substantiv oder ein Umstand, dessen Kontext bereits bekannt ist. Als Demonstrativpronomen antwortet das auf die Frage Welches / Was? Es kann das, dies, dieses oder jenes lauten.
Beispiele
Welches Kleid meinst du?

Ich meine das (da).

Meintest du den Zusammenhang zwischen … und …?

(Genau) das meinte ich.

3. das als Relativpronomen
Relativpronomen beziehen sich auf einen Begriff oder einen Umstand, der eingehender beschrieben werden soll. Dies geschieht durch einen Nebensatz[12], der sich verständlicherweise direkt an den betreffenden Gegenstand anschließt. Relativpronomen im Neutrum – nur davon ist hier die Rede – lauten das oder welches. Beide sind im Nominativ und Akkusativ im Deutschen identisch. (Das gleichwertige Relativpronomen welches wendet man seltener an, denn es klingt bisweilen schwerfällig.)
Beispiele
Das Mädchen, das dem Wolf in den Wald hinein folgte, war das Rotkäppchen. (Nominativ)

Das Mädchen, das vom Wolf auf Abwege geführt wurde, war das Rotkäppchen. (Akkusativ)

4. dass als Junktion
Um diese grammatischen Vorschriften übersichtlicher zu machen und um den Gegenstand, auf den sich dass in dieser Funktion bezieht, als einen komplexen Zusammenhang zu kennzeichnen, wurde es orthographisch besonders gekennzeichnet. dass leitet einen Nebensatzein. Dies kann verschiedene Bereiche betreffen. Man erkennt es daran, dass mit ihm Verben[13] der sinnlichen Wahrnehmung, des Wollens und Denkens einhergehen.
Beispiele
Ich sehe, dass du kommst.

Ich möchte, dass du mich besuchst.

Ich fürchte, dass du mich verlässt.

Dass du bleibst, freut mich.

Man erkennt es auch daran, dass Verben des Redens, Denkens und der sinnlichen Wahrnehmung die indirekte[14] Aussagen einleiten.
Beispiele
Ich sagte, dass ich gehen müsse.

Er dachte, dass sie käme.

5. dass als Einleitung eines Wunschsatzes
Eine seltene Verwendung findet dass in Sätzen, die einem Wunsch Ausdruck verleihen, im Sinne von Wenn doch…! Beispiel: Dass mir doch die Kräfte verliehen wären! Diese Sätze enthalten einen gedachten Hauptsatz, der nicht explizit ist: Ich wünschte, hoffte usw., … Und jetzt noch die Faustregel, die man im vierten Grundschuljahr erlernt: Kann das weder durch dieses, jenes oder welches ersetzt werden, schreibt man dass.
[1] Vokal = Selbstlaut (a,e,i,o,u) Diphthong= Zwielaut (au, äu, eu, ei) Gegensatz: Konsonant = Mitlaut (z. B. b, d, f)

[2] bestimmter Artikel = Geschlechtswort (der, die das), unbestimmter A. = unbestimmtes G. (ein, eine, ein)

[3] Demonstrativpronomen = Hinweisendes Fürwort (z. B. dieser, jener, derjenige)

[4] Relativpronomen= Verhältniswort (z. B der…, der …)

[5] Junktion bedeutet Verbindung, genauer gesagt: eine grammatische Verbindung zweier Teile eines Satzgefüges. Um Bindewörter, die Haupt- Nebensätze und solche, die Hauptsätze in einen Zusammenhang bringen, fügen, also zu einem Satzgefüge machen, unterscheidet man heute feinsinniger. Das Bindewort zwischen Haupt- und Nebensatz lautet „Subjunktion“, um die ungeordnete Beziehung des Nebensatzes zum Hauptsatz auszudrücken, Entsprechend lautet der Fachbegriff für einander gleichgeordnete Hauptsätze „Konjunktion“.

[6] Neutrum, abk. n. sächlichen Geschlechts. (Maskulinum, m. = männlich, Femininum, f. = weiblich)

[7] Nominativ = 1. Fall, Werfall, Wer?

[8] Singular = Einzahl. Plural = Mehrzahl

[9] Akkusativ = 4. Fall, Wenfall, Wen?

[12] Nebensatz = Teil eines Satzgefüges, das ohne Bindung an den Hauptsatz unvollständig ist. (z.B. ich gehe, weil ich müde bin.)

[13] Verb = Tuwort (z.B. gehen), verbum (lat.) = Wort

[14] Indirekte (Rede) = nicht wörtliche sondern durch einen Nebensatz kenntlich gemachte referierte Rede. ( z. B.: Er sagte: „ich gehe.“–> Er sagte, dass er gehe.)
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http://www.institut1.de/603_das%20oder%20dass_Eine_grammatische_Betrachtung.html

Sprachsplitter

Von Muße und Musen, von Musen und über Muse
Wer hat uns denn da geküsst?
Muße und Muse – die beiden vermeintlichen Sprachschwestern – nicht einmal blutsverwandt, werden sie doch gern miteinander verwechselt. Doch die Muße kann auch gedankenverloren auf dem Sofa verbracht werden: Gefügt zu Wörtern wie müßige Hände, Müßiggänger oder Müßiggang ist sie uns vertraut.

Das Mus dagegen – wer kennt nicht Apfelmus? – begegnet uns noch in Gemüse. »Knackfrisches Gemüse« war offenbar nicht zu allen Zeiten beliebt, sodass man es wohl als Mus bereitete. Hat man davon mehrere zur Auswahl, erscheint der Plural als Apfel-, Kartoffel-, Zwetschgen- oder Pflaumenmuse.

Die Mousse au chocalat dagegen erinnert nur bei oberflächlicher Betrachtung an ein Mus. Mousse bedeutet Schaum, also sollte sie auch schaumig-leicht gelingen. Verwechslungsgefahr besteht bei den Substanzen: das Kartoffelmus und die Kartoffelmousse.

Dagegen ist es die Aufgabe der Muse, zusammen mit ihren Schwestern, den Musen als geflügelten Töchtern des Zeus, uns musisch – also künstlerisch – zu inspirieren. So erschließt sich das Bild von der Muse, die uns geküsst hat.

Die Musen sind ursprünglich zu dritt. Sie stehen für intellektuelle und musische Kräfte wie Übung, Praxis, Nachdenken, Gedächtnis und Lied. Die klassische Neunzahl erscheint erst später. Die Musen sind also die Symbole der schönen Künste, die bekannteste ist wohl Thalia, die für Frohsinn und Fülle steht und das Theater begleitet.

Der schöne Schein
anscheinend und scheinbar
Jeder Sprachbewusste kennt den Unterschied: anscheinend hat die Bedeutung des Möglichen, Glaubwürdigen, scheinbar hingegen die des Unmöglichen, Trügerischen. Dabei haben beide den Gehalt von Anschein und Schein.

Beiden wohnt also zunächst gar kein verschiedenartiger Kern inne. Aber man ließ den heutigen Unterschied in der Bedeutung entstehen, um damit feine Nuancen auszudrücken zu können.

Ein anderes Phänomen ist der verschiedene grammatikalische Gehalt beider Wörter. Denn allein scheinbar lässt sich auch als Adjektiv gebrauchen, lässt sich also beugen:
»Der Grund für seine Verspätung ist scheinbar ein Stau.«
»Der scheinbare Grund für seine Verspätung ist ein Stau.«

Dagegen bleibt anscheinend ein unveränderliches Adverb:
»Der Grund für die Verspätung ist anscheinend ein Stau.«
Denn:
»Der ›anscheinende‹ Grund der Verspätung ist ein Stau.« ist ungrammatisch, da sich der Anschein auf die Gesamtaussage bezieht.

Also ist anscheinend wohl nur ein scheinbares Partizip und folglich kein Adjektiv sondern einzig und allein ein Adverb.

Präfixderivation
Verneinende Vorsilben
Eine Vorsilbe dient dazu, die Verwendung des Basisverbs umzustrukturieren. Das Präfix ver- kann beispielsweise nahelegen, ein Geschehen als missglückt, abweichend, sinnlos oder verkehrt zu verstehen oder kennzeichnen, ähnlich wie auch die Präfixe miss-, zer- und ent- eine verneinende Konnotation haben. In diesem Sinne lässt sich folglich eine solche Verwendung rechtfertigen – verstärkend, also bewusst wortbildend.

Im Fall – komplizieren – erscheint es allerdings eher überflüssig „verkomplizieren“ zu verwenden. Überdies nehmen sich deutsche Vorsilben unpassend an Fremdwörtern aus, zumal diese mit bereits eigenen versehen oder zu versehen sind: kom-/kon-, dis-, in-/im-/il-, ex-/e- etc.

Wortbildung
Weibliche Pendants
Sehr beliebt ist gerade in der Sprache der Politiker, die weibliche Klientel besonders anzusprechen. Das findet seinen Ausdruck in der Bildung abstruser weiblicher Parallelbildungen durch das nachgestellte -In/-Innen: SoldatInnen, SchülerInnen, BürgerInnen, aber auch GästInnen, MitgliederInnen etc.

Es gibt in der Tat eine Anzahl von Substantiven, deren Ableitungen ein weibliches Pendant adäquat auszudrücken vermögen. Dies betrifft häufig Tiernamen. Auch mit fremdsprachlichen Bezeichnungen wird oft so verfahren. Jedoch die überwiegende Zahl der männlichen Begriffe, die sich dafür anbieten, enden auf -er. Sie sind häufig von einem Verb abgeleitet. In der Regel stellt man es nach Bedarf durch Anfügen der Endsilbe -in her. Z. B. Hund – Hündin, Student – Studentin, Direktor – Direktorin, Lehrer – Lehrerin, Fahrer – Fahrerin, Gewerkschafter – Gewerkschafterin, Schüler -Schülerin, Meister – Meisterin, Freund – Freundin, Feind – Feindin, Kunde – Kundin, Greis – Greisin, Enkel – Enkelin, Zwerg – Zwergin, Riese -Riesin, usw.

Genauso gibt es jedoch solche, die sich diesem Prozess sperren: Fisch (Wal, Delphin usw.), Krokodil, Vogel, Tier, Mensch, Ungeheuer, Geist, Satan, Gnom, Gast, Mitglied, Kind, Ohm (und andere geschlechtsspezifische Bezeichnungen wie Vater, Sohn, Neffe, Onkel, Hengst, Stier, Hahn etc.).

Alter, Verwandter, Bekannter, Geliebter, Zivildienstleistender, Auszubildender sind dagegen Substantivierungen von Adjektiven oder infiniten Verbformen – Partizip Perfekt, Partizip Präsens, Gerundiv, die adjektivisch verwendbar sind. Deshalb entstehen hier Adjektiven entlehnte Formen: die Alte, die Verwandte, die Bekannte, die Geliebte, die Auszubildende.

Der Beamte ist die Verkürzung eines substantivierten Adjektivs. Das lässt sich erkennen an den verschieden definierten Formen bestimmte oder unbestimmte Artikel betreffend: der Beamte – ein Beamter, die Beamten – Beamte, entsprechend der Verwandte – ein Verwandter, die Verwandten – Verwandte. Genaugenommen müsste es eigentlich „Beamteter“ heißen. Nur aus dieser Ausnahme lässt sich die weibliche Form erklären, die nicht „die Beamte“ lautet, sondern „die Beamtin“.

Komposita
aus Substantiv und Partizip
Die deutsche Sprache ist in ihrer Wortbildung sehr produktiv. So lassen sich aus Substantiven und Partizipien geeigneter Verben mühelos Komposita, also zusammengesetzte Wörter, bilden. Daraus ergeben sich vielfältige Auswirkungen auf die Rechtschreibung – letztlich, aufgrund ihres grammatischen Hintergrunds, auch auf den Stil.

So kann der Begriff Sehnsucht erregend, sehnsuchterregend sowohl getrennt als auch zusammengehörig verstanden und geschrieben werden.

Doch ein Attribut, also eine nähere Bestimmung, konfrontiert den Schreiber mit spezifischen Vorschriften der Groß- und Kleinschreibung.

Untersucht man die solchermaßen näher bestimmten Formulierungen die sehr sehnsuchterregend Geliebte vs. die große Sehnsucht erregende Geliebte, so wird die Unschärfe der Erstgenannten offenkundig. Während sehr ein Adverb ist – es bezieht sich als solches in der Regel auf ein Verb oder ein adjektivisches Attribut, also sehr erregend oder sehr schöne Geliebte – ist groß ein Adjektiv, denn es steht als Attribut von „Sehnsucht“, also „große Sehnsucht“.

Die weitere Betrachtung zeigt, dass der Artikel die sich nicht auf das Attribut Sehnsucht erregend/sehnsuchterregend sondern auf das (Präpositional-) Objekt Geliebte bezieht. Hieße es nämlich stattdessen An die meine Sehnsucht erregende Geliebte, wäre es unwiderruflich ein Fall der Getrenntschreibung.

Daher halte ich sehr sehnsuchterregend für ein grammatisches Konstrukt – also stilistisch vernachlässigbar – denn das Adverb müsste sich ja auf den Verbteil – erregend – beziehen, während die Betonung dem Sinn nach auf dem substantivischen Teil – Sehnsucht – liegt.

Zwar entstammt die Formulierung „meine Sehnsucht erregende Geliebte“ einem Thomas-Mann-Zitat. Jedoch weiß der Kenner, dass der Meister Derartiges in ironischer Absicht seinen Protagonisten in den Mund legte, es also eine Metaebene betrifft. Ich bevorzuge unter stilistischen Gesichtspunkten eine Auflösung durch einen Nebensatz: „An meine Geliebte, die mich mit großer Sehnsucht erfüllt“.

Nebensätze
und die Kommaregel
Ein Satz besteht aus Subjekt und Prädikat. Dieses Kriterium gilt auch für einen Nebensatz. Nebensätze sind abhängig, was sich formal an der einleitenden Subjunktion ablesen lässt, isoliert betrachtet an ihrer inhaltlichen Unvollständigkeit.

„als“ ist je nach Zusammenhang Partikel (Teilchen) oder Subjunktion (Bindewort). Dies ist ein funktionales Merkmal bezogen auf den folgenden Satzteil. Inhaltlich kann es sich sowohl um einen Vergleich zweier Tatbestände – größer als – als auch um eine zeitliche Markierung – zu der Zeit, als – handeln.

„Sie sah gesünder aus, als sie sich fühlte.“
Vergleichende Subjunktion

„Sie sah gesünder aus als angenommen.“
Vergleichspartikel

„Sie sah gesünder aus, als sie aus dem Urlaub kam.“
Temporäre Subjunktion
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