Kommunikation und Grammatik

Heinrich Ehring - Kommunikation

Heinrich Ehring – Kommunikation
photo: Andreas-Michael Velten, artwork: Heinrich Ehring
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Im Indogermanischen, dem etymologischen Urgrund der meisten europäischen Sprachen, bedeutet die Zahl drei tri. Das ist nur ein Beispiel für das Grundmuster, das diese Verwandtschaft durchzieht. Dabei stößt man auf ähnliche Anfangskonsonanten, t oder d, gefolgt von einem allen gemeinsanmen r und einem nachfolgenden Vokal, der zwischen ia, i, e, ei und oa changiert. Das wird dann jeweils zu tri, tria, tres, tre, trois, drei, three.

Das Bestimmen von Mengen wie 1, 2 oder 3 sowie die Bezeichnung des engsten Beziehungskreises wie ich und du, Vater und Mutter, Kind und Baby, Bruder und Schwester, Freund und Feind waren die ersten Begriffe, die versprachlicht wurden. Auch Vieh und Haustiere, Lebenswichtiges wie Feuer, Wasser und Salz, Geräte von Pflug bis Topf, Waffen von Messer bis Lanze oder gefährliche Tiere von Bär bis Löwe – all das sollte einen Namen haben, um es der Verständigung zu erschließen.

Der Auftrag eines Wortes ist, die spezifische Information, die seine grammatisch festglegte Form birgt, so weiterzugeben, dass der Empfänger der Nachricht zweifelsfrei unterrichtet wird. Grammatik hat also zum Ziel, eine Ansammlung von Wörtern sinnvoll miteinander zu verknüpfen, indem sie durch Endungen abgewandelt und sprachgerecht positioniert werden. Andernfalls hätte man es mit einem Konglomerat von Wörtern zu tun, denen man keine Information entnehmen könnte.

Die Entwicklung von Sprache erlaubte einer Gruppe von Jägern, körperlich überlegenen Tieren nachzustellen, weil sie ihr arbeitsteiliges Vorgehen sprachlich umsetzen konnten. Sie erlaubte Sammlern, sich über Wege, Gefahren und Fundorte zu verständigen. In Phasen des Sesshaftwerdens erlaubte sie den anderen, die Haus, Garten und Feld bestellten, sich nach Kräften und Erfahrung zu organsieren.

Sprache ist also ein Instrument der Kommunikation. Je höher entwickelt eine soziale Art ist, desto vielfältiger ist ihr sprachlicher Ausdruck, desto stärker wird das Bedürfnis nach einer zuordnenden Grammatik. Triebfeder sprachlicher Kommunikation war, dass Individuen einen überlebensnotwendigen Zusammenhalt suchten und eine differenzierte lautliche Verständigung für gemeinamsame Projekte unabdingbar wurde. Am Ende bedurfte das anfängliche Gemenge inhaltlich tragender Worte und Begriffe einer Struktur, um Beziehungen zwischen Personen, Zeiten, Orten und Verhältnissen zu beschreiben. Zunehmend komplexe Inhalte machten eine ordnende Satzstruktur notwendig und führten zu einer Differenzierungen in Satzbau und Bezehungen im Satz.

Das ist Gegenstand von Syntax und Morphologie.

Syntax , aus altgriechisch σύνταξις syntaxis, setzt sich zusammen aus σύν syn‚ zusammen, und τάξις taxis‚ Ordnung. Die Grammatik versteht darunter die Satzordnung, die Personen, Tätigkiten und Objekte, zueinander in Beziehung setzt. Syntax bedeutet also Satzstruktur, Satzbau..

Ihr gegenüber steht die Morphologie, aus griech μορφολογία. Darin erkennt man μορφή morphé, Form und λόγος, lógos, Wort. Aufgabe der Morphologie ist es, durch Einsatz von Endsilben, Ab- und Umlautungen, die Tempus- und Modus-Beziehungen zwischen den handelnden Personen zu untersuchen. Morphologie bezeichnet also die Veränderung infniter, unbeendeter, Formen. Sie beschreibt Wortveränderungen, die Bezüge verdeutlichen wie Personalendungen von Verben, Kasusendungen von Substantiven, Adjektiven und Partzipien.

Syntax und Morphologie sind also eng miteinander verknüpft. Sie verzahnen grammatische Personen, Zeiten und Handlungen. Sie machen eine Aussage über den Modus, ob sich das Geschehen in der Relität, dem Indikativ, oder im Konjunktiv, dem wiedergebenden oder irrealen Zusammenhang, abspielt und ob es sich um Wunsch oder Wirklichkeit handelt. Zum anderen gibt das Genus verbi, Auskunft darüber, ob das Geschehen aktiv herbeigeführt, im Aktiv steht, oder sich passivisch ereignet, im Passiv, abspielt. Im Imperativ schließlich wird eine Person zum Objekt eines Aufrufs. All das zeigt sich in der Morphologie, die den syntaktischen Strukturen innewohnt.

Syntax und Morphologie sind es, die aus Wörtern einen Satz machen, dem eine Information zu entnehmen ist. Weil sie sinngebend sind, bewirken sie sinnerfassendes Hören und Lesen. Verstehen ergibt sich erst aus einem ordnenden Zusammenhang und aus einer zusammenhängenden Ordnung.

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